Break-even-Point berechnen: ab wann dein Business dich trägt
Sebastiaan WolzakGründer von finkraftStand: 20. September 2026
3.000 Euro kommen im Monat rein, 500 Euro gehen für Software, Versicherung und Fahrten raus. Auf dem Papier trägt sich dein Business damit längst. Nur bezahlt diese Rechnung weder Miete noch Essen. Finanzamt und Krankenkasse kommen darin auch nicht vor. Ob sich dein Business lohnt, entscheidet eine andere Frage: Ab welchem Umsatz ist auch dein Leben bezahlt? Dafür braucht der Break-even-Point eine Zutat, die in kaum einer Vorlage steht.
Die Fahrten in diesen 500 Euro haben ihren eigenen Preis, aus Fahrzeug und Fahrzeit:
Anfahrtskosten berechnen: Pauschale, Kilometer oder FahrzeitWas der Break-even-Point ist und was er aussagt
Der Break-even-Point ist der Punkt, an dem Einnahmen und Kosten gleich hoch sind. Auf Deutsch heißt er Gewinnschwelle. Unterhalb davon macht dein Business Verlust, oberhalb beginnt der Gewinn, und am Punkt selbst steht eine Null. Diese Null ist der Teil, den die meisten überlesen. Break-even heißt nicht „läuft gut". Es heißt, dass nichts übrig bleibt. Verdient wird erst ab hier.
Die Formel aus dem Lehrbuch
Die klassische Break-even-Formel rechnet in Stückzahlen. Du teilst deine Fixkosten durch den Deckungsbeitrag pro Stück, also durch den Verkaufspreis minus die variablen Kosten je Stück. Ein Beispiel: Ein Stand verkauft Crêpes für 5 Euro, die Zutaten kosten 2 Euro pro Stück, die Fixkosten liegen bei 3.000 Euro im Monat. Die Break-even-Menge ist 3.000 geteilt durch 3, also 1.000 Crêpes im Monat. Mal Verkaufspreis sind das 5.000 Euro Break-even-Umsatz. Für Dienstleister ohne Material ist die Sache einfacher. Wo keine variablen Kosten anfallen, ist der Break-even-Umsatz schlicht die Summe deiner Fixkosten.
Warum diese Formel bei dir ins Leere läuft
In den Fixkosten einer Firma stecken Gehälter, auch die der Geschäftsführung. Erreicht eine GmbH ihren Break-even, sind alle bezahlt, die dort arbeiten. Bei dir als Einzelunternehmer:in fehlt dieser Posten komplett. Du kannst dir kein Gehalt als Betriebsausgabe zahlen. Dein Einkommen ist der Gewinn, den du entnimmst. Rechnest du deinen Break-even nur mit Software, Versicherung und Serverkosten, hast du also ein Business durchgerechnet, in dem du selbst umsonst arbeitest. Es wirkt profitabel und finanziert dich trotzdem nicht.
Warum dein eigener Lohn steuerlich keine Betriebsausgabe ist und wie du stattdessen an dein Geld kommst, steht hier im Detail:
Privatentnahme: dein Gehalt als Einzelunternehmer:inKalkulatorischer Unternehmerlohn: dein Leben als Fixkostenblock
Die Betriebswirtschaft hat für den fehlenden Posten einen Namen. Der kalkulatorische Unternehmerlohn ist das Einkommen, das deine eigene Arbeit wert ist. Dein Business muss ihn erwirtschaften, bevor von Gewinn die Rede sein kann. Für die Break-even-Rechnung setzt du ihn wie eine Fixkostenposition an. Hinein gehört, was dein Leben im Monat kostet: Miete, Lebensmittel, private Versicherungen, der ganze Alltag. Obendrauf kommt, was bei Angestellten der Arbeitgeber mitträgt, allen voran die Altersvorsorge. Sobald dieser Block in der Rechnung steht, rutscht dein Break-even deutlich nach oben. Nicht weil dein Business schlechter geworden wäre, sondern weil die Rechnung zum ersten Mal vollständig ist.
Vom Leben zum Umsatz: die Kette
Zwischen deinem Lebensunterhalt und dem nötigen Umsatz liegen zwei Stufen. Die erste sind die Abgaben: Auf den Gewinn berechnet das Finanzamt die Einkommensteuer, und an ihm bemisst die Krankenkasse ihre Beiträge, diesmal ohne Arbeitgeberanteil. Du brauchst also spürbar mehr Gewinn, als du privat ausgibst. Die zweite Stufe sind deine Betriebskosten. Zusammen ergibt das den Umsatz, ab dem dich dein Business trägt. Gemessen wird netto, denn die Umsatzsteuer auf deinen Rechnungen läuft nur durch. Du nimmst sie ein und führst sie ab.
Dieselbe Kette vorwärts gerechnet, vom Umsatz bis zu dem, was du dir auszahlen kannst:
Finanzplanung für Selbstständige: ein Jahr, Monat für MonatRechenbeispiel: 2.500 Euro zum Leben
Angenommen, du brauchst privat 2.500 Euro im Monat, und deine Betriebskosten liegen bei 500 Euro im Monat. Damit nach Abgaben 30.000 Euro im Jahr bei dir ankommen, braucht es rund 45.600 Euro Gewinn: 5.964 Euro gehen als Einkommensteuer ans Finanzamt, 9.622 Euro an die Krankenkasse. Mit den Betriebskosten ergibt das 51.600 Euro Umsatz im Jahr, also 4.300 Euro im Monat, zuzüglich Umsatzsteuer. Die reine Kosten-Rechnung wäre schon bei 500 Euro zufrieden gewesen. Der echte Break-even liegt beim 8,6-Fachen. Stell die Regler auf deine Situation:
Ab wann trägt dich dein Business?
Miete, Essen, private Versicherungen: dein Leben als Fixkostenblock. Vor Altersvorsorge.
Software, Versicherungen, Arbeitsmittel, Fahrten (netto).
Verheiratet rechnet mit Splitting, ohne weiteres Einkommen.
Nur auf die Betriebskosten geschaut trägt sich dein Business ab 500 € Umsatz im Monat. Damit auch dein Leben bezahlt ist, braucht es 4.300 €: das 8,6-Fache.
Vereinfacht gerechnet für hauptberuflich Selbstständige (Einzelunternehmen, gesetzlich versichert): Grundtarif 2026, durchschnittlicher Zusatzbeitrag, verheiratet = Splitting ohne weiteres Einkommen. Ohne Gewerbesteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Altersvorsorge kommt auf deinen Lebensunterhalt obendrauf; Material je Auftrag rechnest du als Monatsschnitt in die Betriebskosten. Eine Schätzung zum Verstehen, kein Bescheid.
Aus dem nötigen Umsatz wird im nächsten Schritt ein Preis. Wie du vom selben Ziel rückwärts zu deinem Stundensatz kommst, rechnet dieser Artikel vor:
Stundensatz berechnen: rückwärts von dem, was dir bleiben sollEin Punkt im Jahr, kein Dauerzustand
Der Wert aus dem Rechner ist ein Monats-Durchschnitt. Deine Monate sind es nicht. Einnahmen schwanken, Kunden zahlen spät, das Finanzamt bucht quartalsweise ab, und die Krankenkasse rechnet nach, wenn dein Bescheid kommt. Ein Business kann im Jahresschnitt über dem Break-even liegen und trotzdem drei knappe Monate hintereinander haben. Deshalb lohnt der zweite Blick: In welchen Monaten rutschst du unter den Punkt, und wie lange hält dein Konto das aus?
Annahmen
Die Anlaufphase legst du einmal als Annahme an, den Rest rechnet der Plan: Du siehst den Monat, ab dem dein Business dich trägt.
Der Break-even-Point ist der Umsatz, ab dem alles bezahlt ist und die Null steht. Bei Solo-Selbstständigen gehört der eigene Lebensunterhalt als kalkulatorischer Unternehmerlohn in die Fixkosten. Dazu kommen Einkommensteuer und Krankenkasse auf den Gewinn. Eine Break-even-Rechnung ohne diesen Block rechnet ein Business durch, in dem du umsonst arbeitest.
Wichtig: finkraft ersetzt keine Steuerberatung. Du bekommst eine ehrliche Planungsrechnung für deine Entscheidungen. Verbindliche Auskünfte und deine Steuererklärung gehören weiter in die Hände deiner Steuerkanzlei.
Häufige Fragen
Mit der klassischen Formel teilst du deine Fixkosten durch den Deckungsbeitrag pro Stück, also durch den Verkaufspreis minus die variablen Kosten je Stück. Das Ergebnis ist die Absatzmenge, ab der alle Kosten gedeckt sind; multipliziert mit dem Verkaufspreis ergibt sie den Break-even-Umsatz. Selbstständige ohne variable Kosten rechnen direkt in Umsatz: Der Break-even liegt dort, wo der Umsatz die gesamten Fixkosten deckt. Bei Solo-Selbstständigen gehört dazu auch der eigene Lebensunterhalt samt Einkommensteuer und Krankenkasse.
Er markiert den Punkt, an dem Einnahmen und Kosten gleich hoch sind: kein Verlust, kein Gewinn, eine Null. Unterhalb davon legst du drauf, oberhalb beginnt das Verdienen. Für Selbstständige zählt der Punkt erst, wenn der eigene Lebensunterhalt in den Kosten steckt. Ab dann heißt Break-even, dass du nicht mehr umsonst arbeitest. Ein Business am Break-even läuft nicht gut, es läuft gerade so.
Gewinnschwelle ist das deutsche Wort für den Break-even-Point. Gemeint ist der Umsatz oder die Absatzmenge, ab der die Erlöse alle Kosten decken und jeder weitere Euro zum Gewinn wird. Beide Begriffe bezeichnen dieselbe Kennzahl. In Lehrbüchern steht meist Gewinnschwelle, in der Praxis hat sich der englische Begriff durchgesetzt.
Der kalkulatorische Unternehmerlohn ist das Einkommen, das die eigene Arbeit einer selbstständigen Person wert ist. In der Kalkulation wird er wie eine Fixkostenposition angesetzt, obwohl er steuerlich keine Betriebsausgabe ist. Er sorgt dafür, dass eine Break-even- oder Rentabilitätsrechnung den Lebensunterhalt der Person enthält, die das Business betreibt. Ohne ihn wirkt ein Solo-Business profitabel, obwohl es die eigene Miete nicht bezahlt.
Eine Orientierung nach dem Tarif von 2026: Bei 2.500 Euro privatem Bedarf und 500 Euro Betriebskosten im Monat braucht es rund 45.600 Euro Gewinn im Jahr und damit etwa 4.300 Euro Umsatz im Monat, zuzüglich Umsatzsteuer. Darin stecken die Einkommensteuer und die volle Kranken- und Pflegeversicherung, die bei Selbstständigen ohne Arbeitgeberanteil anfällt. Der Wert hängt an deinem privaten Bedarf, deinen Betriebskosten und deinem Familienstand. Altersvorsorge kommt noch obendrauf.




