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Kontokorrentkredit: wie viel Rahmen Selbstständige brauchen

Sebastiaan WolzakGründer von finkraftStand: 21. Oktober 2026

Du hast das Material für den nächsten Auftrag bezahlt, aber die Rechnung für den letzten ist noch offen. Jetzt steht dein Konto im Minus. Für solche Lücken gibt es den Kontokorrentkredit.

Hier liest du, was ein Kontokorrentkredit ist, wie hoch der Rahmen sein muss und was er kostet. Als Beispiel dient ein Elektroinstallateur, der im Januar 2027 startet.

Kontokorrentkredit: was das ist

Ein Kontokorrentkredit ist ein Kreditrahmen auf deinem Geschäftskonto. Du kannst das Konto bis zu einem vereinbarten Betrag überziehen. Zinsen zahlst du nur auf den Betrag, den du gerade nutzt. Jeder Zahlungseingang senkt das Minus wieder.

Beim Privatkonto heißt derselbe Rahmen Dispo. Für den Dispo gelten aber Schutzregeln für Verbraucher, zum Beispiel bei der Kündigung. Beim Geschäftskonto gibt es diese Regeln nicht.

Ein Darlehen funktioniert anders. Du bekommst den Betrag einmal ausgezahlt und zahlst ihn in festen Raten zurück. Der Kontokorrentkredit ist für kurze Lücken gedacht, das Darlehen für Anschaffungen und längere Zeiträume.

Wie hoch der Rahmen sein muss

Der Elektroinstallateur hat zum Start 5.000 € auf dem Geschäftskonto. Im Sommer hat er Aufträge für 10.000 € im Monat, im Winter weniger. Das Material bezahlt er sofort, es kostet 35 Prozent des Auftragswerts. Seine Kunden zahlen nach 30 Tagen. Jeden Monat gehen außerdem 1.200 € für Kosten und 2.700 € als Entnahme ab.

Am Anfang geht mehr Geld raus als rein. Das Material ist schon bezahlt, das Geld der Kunden kommt erst einen Monat später. Im März 2027 steht das Konto 3.185 € im Minus, ab Juni ist es wieder im Plus.

Im April 2028 werden 18.181 € auf einmal fällig: Steuer und Krankenkasse für 2027 und die ersten Vorauszahlungen für 2028. Das Konto fällt auf 4.771 € im Minus. Das ist der tiefste Punkt in den 24 Monaten.

Der Rahmen richtet sich also nach dem tiefsten Punkt des Kontos, nicht nach dem Umsatz. Im Rechner siehst du, wie sich dieser Punkt verschiebt, wenn die Kunden schneller oder langsamer zahlen.

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Wie viel Rahmen braucht das Konto?

Deine Kunden zahlen nach
Dein Konto braucht 4.771 € RahmenAm tiefsten im April 2028.
20272028
Monate im Minus11
Zinsen bei 10 % im Jahr207 €
Annahmen

Elektroinstallateur, Start im Januar 2027 mit 5.000 € auf dem Konto. Aufträge im Winter 5.000 €, im Sommer 10.000 € im Monat. Das Material kostet 35 % davon und wird sofort bezahlt. Dazu kommen 1.200 € Kosten und 2.700 € Entnahme im Monat. Ohne Umsatzsteuer gerechnet. Steuer und Kasse für 2027 sind im April 2028 fällig. Die Zinsen sind mit dem Kontostand am Monatsende gerechnet, die Bank rechnet Tag für Tag.

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Trag deinen Plan in finkraft ein. Die Kontostand-Vorschau zeigt dir den tiefsten Punkt deines Kontos. Daraus ergibt sich der Rahmen, den du bei der Bank anfragst.

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Was der Rahmen kostet

Zinsen zahlst du nur, solange das Konto im Minus steht, und nur auf den Betrag im Minus. Im Beispiel steht das Konto in 11 von 24 Monaten im Minus. Bei 10 Prozent Zinsen im Jahr kostet das rund 207 €.

Die 10 Prozent sind eine Annahme für das Beispiel. Den Zinssatz für dein Konto nennt dir deine Bank. Sie rechnet die Zinsen Tag für Tag und bucht sie meist am Quartalsende ab. Das Beispiel rechnet einfacher mit dem Kontostand am Monatsende.

Teuer wird es, wenn das Minus lange bleibt. Zahlen die Kunden erst nach 60 Tagen, braucht das Konto 10.863 € Rahmen. Es steht dann 16 Monate im Minus, und die Zinsen steigen auf 799 €. Zahlen die Kunden schon nach 14 Tagen, bleibt das Konto immer im Plus. Am knappsten wird es im April 2028 mit 1.235 €.

Gehst du über den Rahmen hinaus, verlangen Banken einen höheren Zins. Dazu kann eine Kreditprovision kommen. Sie fällt auf den Teil des Rahmens an, den du nicht nutzt.

Die Zinsen sind Betriebsausgaben, wenn das Minus durch den Betrieb entsteht, zum Beispiel durch Material. Anders ist es, wenn du private Ausgaben vom Geschäftskonto bezahlst, etwa Einkommensteuer, Krankenkasse oder deine Entnahme. Für diesen Teil des Minus sind die Zinsen keine Betriebsausgabe. Im Beispiel kommt das Minus im April 2028 vor allem von solchen Zahlungen.

Was du tun kannst, wenn Kunden zu spät zahlen:

Zahlungsziel und Zahlungsverzug: wenn Kunden spät zahlen

Was die Bank sehen will

Ob du einen Rahmen bekommst und wie hoch er ist, entscheidet die Bank nach deiner Bonität. Sie schaut auf deine letzte Gewinnermittlung und die laufenden Auswertungen, bei Gründern auf den Plan. Mit einem Liquiditätsplan zeigst du, wofür du den Rahmen brauchst und wann das Konto wieder im Plus ist.

Hat der Rahmen keine feste Laufzeit, kann die Bank ihn jederzeit kündigen, auch ohne Frist. Dabei muss sie auf deine berechtigten Interessen Rücksicht nehmen. Als dauerhafte Finanzierung eignet sich der Rahmen deshalb nicht.

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Wann ein Darlehen besser passt

Steht das Konto viele Monate im Minus, ist die Lücke nicht mehr kurz. Dann ist der Rahmen meist teurer als ein Darlehen. Für Anschaffungen und die Anlaufzeit gibt es Darlehen mit festen Raten. Für Gründer ist das zum Beispiel das StartGeld der KfW. Es finanziert auch laufende Ausgaben, löst aber kein Minus ab, das schon besteht.

Was ein Gründerkredit im zweiten Jahr für dein Konto bedeutet:

KfW-Gründerkredit: was im zweiten Jahr auf dein Konto zukommt

Zahlen deine Kunden regelmäßig spät, kannst du offene Rechnungen auch an einen Factoring-Anbieter verkaufen. Er zahlt dir das Geld sofort und behält eine Gebühr ein.

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Merk dir

Wie hoch der Rahmen sein muss, zeigt der tiefste Punkt deines Kontos, nicht dein Umsatz. Im Beispiel liegt dieser Punkt im April des zweiten Jahres, wenn Steuer und Krankenkasse nachgezahlt werden. Teuer wird der Rahmen erst, wenn das Konto lange im Minus bleibt.

Wichtig: finkraft ersetzt keine Steuerberatung. Du bekommst eine ehrliche Planungsrechnung für deine Entscheidungen. Verbindliche Auskünfte und deine Steuererklärung gehören weiter in die Hände deiner Steuerkanzlei.

FAQ

Häufige Fragen

Ein Kreditrahmen auf dem Geschäftskonto. Du kannst das Konto bis zu einem vereinbarten Betrag überziehen. Zinsen zahlst du nur auf den Betrag, den du nutzt. Jeder Zahlungseingang senkt das Minus.

Technisch keiner. Beim Privatkonto heißt der Rahmen Dispo, beim Geschäftskonto Kontokorrentkredit. Für den Dispo gelten aber Schutzregeln für Verbraucher, zum Beispiel bei der Kündigung. Beim Geschäftskonto gibt es sie nicht.

Wie viel die Bank dir gibt, hängt von deiner Bonität und deinen Unterlagen ab, etwa der Gewinnermittlung und den laufenden Auswertungen. Wie viel du brauchst, zeigt der tiefste Punkt deines Kontos im Jahr. Den siehst du in einem Liquiditätsplan.

Die Bank rechnet Tag für Tag: Betrag im Minus mal Zinssatz, anteilig für jeden Tag. Dazu kann eine Kreditprovision für den ungenutzten Teil des Rahmens kommen. Im Beispiel kosten 11 Monate im Minus bei 10 Prozent im Jahr rund 207 €. Gerechnet ist das vereinfacht mit dem Kontostand am Monatsende.

Ein Kredit für die laufenden Ausgaben eines Betriebs, etwa Material, Löhne oder Miete. Das kann ein Kontokorrentkredit sein oder ein Darlehen mit festen Raten, zum Beispiel von der KfW.

Das ist möglich. Weil die Bank noch keine Abschlüsse von dir hat, stützt sie sich auf deine Bonität und deinen Plan. Hilfreich ist ein Plan, der zeigt, wann das Konto ins Minus geht und wann es wieder im Plus ist.

Nur, wenn das Minus durch den Betrieb entsteht, etwa durch Material oder laufende Kosten. Dann senken die Zinsen deinen Gewinn. Zahlst du Einkommensteuer, Krankenkasse oder Entnahmen vom Geschäftskonto, ist dieser Teil des Minus privat. Die Zinsen darauf sind keine Betriebsausgabe.

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