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Liquiditätsplanung: reicht das Geld auch nächsten Monat?

Sebastiaan WolzakGründer von finkraftStand: 20. September 2026

Auf dem Papier läuft dein Jahr gut, und trotzdem wird es auf dem Konto zwischendurch knapp. Ob das Geld reicht, entscheidet sich nicht übers Jahr, sondern in jedem einzelnen Monat. Die Liquiditätsplanung stellt diese Frage im Voraus: Reicht das Geld?

Die Liquiditätsplanung ist der letzte Schritt einer Finanzplanung. Alle fünf Schritte an einem Beispiel:

Finanzplanung für Selbstständige: ein Jahr, Monat für Monat

Was Liquiditätsplanung ist

Ein Liquiditätsplan rechnet deinen Kontostand Monat für Monat voraus. Das Schema dahinter ist einfach: Du nimmst den Kontostand am Monatsanfang, zählst alle Einzahlungen dazu und ziehst alle Auszahlungen ab. Was übrig bleibt, ist der Kontostand am Monatsende, und der ist zugleich der Startpunkt des nächsten Monats. Mehr Rechnung steckt nicht dahinter. Die Kunst ist, an alle Zahlungen zu denken und richtig einzuschätzen, wann sie kommen.

Wichtig ist der Unterschied zum Gewinn: Der sagt dir, ob sich dein Geschäft lohnt. Die Liquidität sagt dir, ob das Geld da ist, wenn du es brauchst. Schreibst du im März eine Rechnung, die der Kunde erst im Mai bezahlt, liegen dazwischen zwei Monate, in denen deine Miete trotzdem abgeht. Ein Geschäft kann profitabel sein und trotzdem zahlungsunfähig werden, weil das Geld zum falschen Zeitpunkt fehlt.

Wer aus dem Bürgergeld gründet, braucht genau diese Monatssicht, weil das Jobcenter den Gewinn erst nach dem Bewilligungszeitraum abschließend rechnet:

Einstiegsgeld vom Jobcenter: gründen aus der Grundsicherung

Was alles in die Liquiditätsplanung gehört

  • Einzahlungen: Kundenzahlungen zu dem Zeitpunkt, an dem das Geld ankommt, nicht wenn du die Rechnung schreibst. Dazu Kredite, Zuschüsse und private Einlagen.
  • Auszahlungen: Fixkosten wie Miete, Software und Versicherungen, dazu Einkauf, Kreditraten und deine privaten Entnahmen. Die vergisst kaum jemand.
  • Steuern und Abgaben: Einkommensteuer-Vorauszahlungen, Umsatzsteuer im Melderhythmus, Krankenkassenbeiträge samt Nachberechnung. Alles mit seinem Termin, nicht als Jahressumme.

Am dritten Punkt scheitern die meisten Pläne. Steuern folgen bei Selbstständigen einem eigenen Kalender: In den ersten ein bis zwei Jahren zahlst du oft wenig oder nichts voraus, weil das Finanzamt deine Zahlen noch nicht kennt. Mit dem ersten Bescheid kommt dann vieles auf einmal: die Nachzahlung fürs alte Jahr, neu festgesetzte Vorauszahlungen, kurz darauf der nächste reguläre Termin. Ohne diese Ballung im Plan fehlt dir der Überblick ausgerechnet an der teuersten Stelle des Jahres.

Wie die Termine entstehen und warum im zweiten Jahr vieles zusammenkommt:

Steuervorauszahlungen, einfach erklärt

So erstellst du deinen Liquiditätsplan

  • Starte mit deinem Kontostand von heute. Er ist der Anker für alles Weitere.
  • Plane 12 bis 24 Monate im Monatsraster. Der 13-Wochen-Blick großer Firmen-Tools greift für Selbstständige zu kurz: Zwischen einem guten Auftrag und der Steuer darauf können ein bis zwei Jahre liegen.
  • Trag zuerst ein, was regelmäßig kommt und geht: Fixkosten, laufende Aufträge, deine Entnahmen. Variable Einnahmen lieber vorsichtig schätzen.
  • Setz die Steuer- und Abgabentermine mit Datum ein, auch die Nachzahlungen, die du schon absehen kannst.
  • Trag einmal im Monat den echten Kontostand nach und korrigiere den Plan. Ein Liquiditätsplan ist kein Dokument, sondern eine Routine.

Der häufigste Grund für einen Puffer ist Krankheit ohne Vertretung. Was sechs Wochen Ausfall kosten:

Krankengeld für Selbstständige: was vier Wochen Ausfall kosten

Für den Anfang reicht dafür eine Tabelle oder eine Vorlage. An ihre Grenzen kommt sie dort, wo Werte voneinander abhängen: Mehr Umsatz bedeutet mehr Umsatzsteuer, mehr Einkommensteuer und einen höheren Krankenkassenbeitrag, und jede dieser Änderungen verschiebt die Zahlen aller folgenden Monate. Wer das bei jeder Anpassung von Hand nachzieht, verbringt irgendwann mehr Zeit mit der Tabelle als mit dem Geschäft.

Wenn du mit einer Tabelle anfangen willst: unsere kostenlose Excel-Vorlage für zwölf Monate.

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Diese Kette rechnet dein Plan durch: Einnahmen, Ausgaben und alle Steuertermine werden zum Kontostand-Verlauf über 24 Monate, auf Wunsch fünf Jahre.

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Die drei Liquiditätsgrade, kurz eingeordnet

In Ratgebern begegnen dir oft die Liquiditätsgrade eins bis drei. Das sind Bilanz-Kennzahlen: Sie setzen die kurzfristig verfügbaren Mittel ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Der erste Grad zählt nur das Geld auf dem Konto, der zweite rechnet offene Forderungen dazu, der dritte auch das Lager. Gedacht sind sie für Unternehmen mit Bilanz, etwa fürs Bankgespräch. Für dich als Solo-Selbstständige:r ohne Bilanz sind sie eine Randnotiz. Dir hilft weniger eine Kennzahl zum Stichtag als der Blick nach vorn: Reicht das Geld in jedem einzelnen Monat?

Merk dir

Liquiditätsplanung heißt, deinen Kontostand Monat für Monat vorauszurechnen: Anfangsbestand plus Einzahlungen, minus Auszahlungen. Gewinn und Kontostand sind zwei verschiedene Dinge. Steuern und Krankenkasse gehören mit ihren Terminen in den Plan, nicht als Jahressumme. Plane 12 bis 24 Monate und trag den echten Kontostand monatlich nach.

Wichtig: finkraft ersetzt keine Steuerberatung. Du bekommst eine ehrliche Planungsrechnung für deine Entscheidungen. Verbindliche Auskünfte und deine Steuererklärung gehören weiter in die Hände deiner Steuerkanzlei.

FAQ

Häufige Fragen

Ein Liquiditätsplan rechnet den Kontostand eines Unternehmens Monat für Monat in die Zukunft: Anfangsbestand plus erwartete Einzahlungen, minus erwartete Auszahlungen, ergibt den Endbestand; der ist zugleich der Anfangsbestand des Folgemonats. Er zeigt, ob das Geld in jedem einzelnen Monat reicht, und macht Engpässe sichtbar, bevor sie da sind. Für Selbstständige ist ein Horizont von 12 bis 24 Monaten sinnvoll, weil Steuerzahlungen oft mit über einem Jahr Verzögerung fällig werden.

Alle Zahlungen zu ihrem Zahlungszeitpunkt: Kundenzahlungen (wenn das Geld ankommt, nicht wenn die Rechnung geschrieben ist), Kredite und Zuschüsse auf der Einzahlungsseite; Fixkosten, Einkauf, Kreditraten und private Entnahmen auf der Auszahlungsseite. Bei Selbstständigen zusätzlich und mit eigenem Termin: Einkommensteuer-Vorauszahlungen, Umsatzsteuer im Melderhythmus und Krankenkassenbeiträge samt Nachberechnungen. Ohne den Steuer-Block ist der Plan an den teuersten Terminen des Jahres blind.

Der Gewinn misst, was ein Geschäft in einem Zeitraum erwirtschaftet. Die Liquidität misst, ob zu jedem Zeitpunkt genug Geld auf dem Konto ist. Beides fällt auseinander, weil Zahlungen zeitversetzt fließen: Eine Rechnung aus dem März, die erst im Mai bezahlt wird, zählt zum Umsatz im März, füllt das Konto aber erst im Mai. Auch die Steuer auf einen Gewinn wird oft erst ein bis zwei Jahre später fällig. Ein profitables Geschäft kann deshalb trotzdem in einen Zahlungsengpass laufen.

Die drei Liquiditätsgrade sind Bilanz-Kennzahlen, die kurzfristig verfügbare Mittel ins Verhältnis zu kurzfristigen Verbindlichkeiten setzen: Der erste Grad zählt nur die flüssigen Mittel, der zweite nimmt offene Forderungen dazu, der dritte auch die Vorräte. Sie stammen aus der Welt bilanzierender Unternehmen und spielen etwa im Bankgespräch eine Rolle. Für Solo-Selbstständige ohne Bilanz sind sie wenig aussagekräftig. Dort zählt statt der Kennzahl zum Stichtag der Blick nach vorn: Reicht das Geld in jedem Monat?

Für den Einstieg ja: Ein Monatsraster mit Einzahlungen, Auszahlungen und Kontostand lässt sich in jeder Tabelle bauen. Die Grenze kommt bei den Abhängigkeiten: Mehr Umsatz verändert Umsatzsteuer, Einkommensteuer und Krankenkassenbeitrag zugleich, und jede Änderung verschiebt alle folgenden Monate. In einer Vorlage musst du diese Kette bei jeder Anpassung von Hand nachziehen. Je länger der Horizont und je beweglicher die Zahlen, desto eher lohnt ein Werkzeug, das die Kette selbst rechnet.

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