Deckungsbeitrag berechnen: ob sich ein Auftrag lohnt
Sebastiaan WolzakGründer von finkraftStand: 21. September 2026
350 Euro für ein Shooting klingen nach einem guten Tag. Nur ist der Preis nicht dein Verdienst: Anfahrt, Verpflegung und Ausdrucke stecken noch drin. Was danach übrig bleibt, hat einen Namen: Deckungsbeitrag. Er beantwortet die Frage hinter jedem Preis: ob sich ein einzelner Auftrag lohnt und wie viele davon nötig sind, bis deine Fixkosten bezahlt sind.
Was der Deckungsbeitrag ist
Der Deckungsbeitrag ist der Teil deines Preises, der nach den variablen Kosten übrig bleibt. Variabel heißt: Diese Kosten fallen nur an, wenn der Auftrag stattfindet. Ohne Auftrag kein Material, keine Versandkosten, keine Plattformgebühr. Gerechnet wird netto, die Umsatzsteuer auf deiner Rechnung läuft nur durch. Der Name sagt schon, wozu der Betrag da ist: Er deckt deine Fixkosten. Erst wenn die bezahlt sind, beginnt dein Betriebsergebnis. Deckungsbeitrag ist also nicht Gewinn, sondern die Stufe davor.
Deckungsbeitrag-Formel: je Auftrag, im Monat, in Prozent
Die Formel ist kurz: Deckungsbeitrag je Auftrag gleich Preis minus variable Kosten. Für den Monat multiplizierst du ihn mit der Zahl deiner Aufträge. Und für den Vergleich zwischen Produkten oder Kunden hilft die Quote: Deckungsbeitrag geteilt durch Preis, in Prozent. Im Lehrbuch steht statt Auftrag meist Stück, gemeint ist dasselbe. Wenn du Dienstleistungen verkaufst, ist deine Einheit eben das Shooting, das Projekt oder der Beratungstag.
Die Quote entscheidet auch, wie viele Kunden bei einer Preiserhöhung gehen dürfen:
Preise erhöhen: erst rechnen, dann ankündigenVariable Kosten oder Fixkosten: die eine Sortierfrage
Für jede Ausgabe gibt es eine einfache Prüffrage: Fällt sie nur an, wenn der Auftrag stattfindet? Dann ist sie variabel, wie Material, Verpackung, Versand, Verkaufsgebühren oder die Anfahrt. Läuft sie weiter, auch wenn du zwei Wochen im Urlaub bist? Dann ist sie fix, wie Software, Versicherungen, Miete oder die Steuerberatung. Bei reiner Dienstleistung ohne Material bleibt die variable Spalte fast leer. Dann ist dein Deckungsbeitrag fast der ganze Preis. Das fühlt sich stark an und ist trotzdem kein Verdienst: Deine eigene Arbeitszeit steht in keiner der beiden Spalten.
Die Anfahrt steht in der variablen Spalte, und was sie kostet, sind Fahrzeug und Fahrzeit:
Anfahrtskosten berechnen: Pauschale, Kilometer oder FahrzeitRechenbeispiel: 350 Euro für ein Shooting
Eine Fotografin nimmt 350 Euro für ein Shooting. Anfahrt, Verpflegung unterwegs, Ausdrucke und der Verschleiß an der Kamera kosten sie zusammen 80 Euro je Auftrag. Von jedem Shooting bleiben also 270 Euro übrig, eine Quote von 77 Prozent. Bei 8 Shootings im Monat sind das 2.160 Euro Deckungsbeitrag. Davon zahlt sie zuerst ihre Fixkosten von 500 Euro. Die sind nach dem zweiten Auftrag gedeckt. Ab dem dritten arbeitet jeder Auftrag für sie, und am Monatsende stehen 1.660 Euro Betriebsergebnis. Stell die Regler auf deine Zahlen:
Was bleibt von deinem Preis übrig?
Ein Auftrag, ein Shooting, eine Bestellung — netto.
Fällt nur an, wenn der Auftrag stattfindet: Material, Versand, Gebühren, Anfahrt.
Was du im Monat schaffst oder planst.
Läuft auch ohne Aufträge weiter: Software, Versicherung, Miete (netto).
Die ersten 2 Aufträge zahlen nur deine Fixkosten. Ab Auftrag 3 arbeitet jeder Auftrag für dich: je 270 € — vor Steuern und vor deinem eigenen Lohn.
Netto gerechnet: Die Umsatzsteuer auf deinen Rechnungen läuft durch. Deckungsbeitrag und Betriebsergebnis sind vor Steuern und vor deinem eigenen Lebensunterhalt — eine Schätzung zum Verstehen, kein Bescheid.
Das Betriebsergebnis ist noch nicht dein Verdienst: Steuern, Krankenkasse und dein eigener Lebensunterhalt fehlen darin. Ab welchem Umsatz auch das alles bezahlt ist, rechnet dieser Artikel vor:
Break-even-Point berechnen: ab wann dein Business dich trägtWofür du die Zahl im Alltag brauchst
Der Deckungsbeitrag ist keine Kennzahl fürs Archiv, sondern ein Werkzeug für drei Entscheidungen. Erstens die Preisuntergrenze: Ein Preis unter den variablen Kosten lohnt sich nie, da legst du bei jedem Verkauf drauf, und mehr Menge macht es schlimmer. Zweitens der Vergleich: Welcher Auftragstyp, welches Produkt, welcher Kunde trägt am meisten zu deinen Fixkosten bei? Die Quote macht Ungleiches vergleichbar. Drittens der Rabatt: Er wirkt klein am Preis und groß am Deckungsbeitrag. Bei 100 Euro Preis und 70 Euro variablen Kosten bleiben 30 Euro. Gibst du 10 Prozent Rabatt, kostet dich das 10 Euro, ein Drittel deines Deckungsbeitrags, nicht ein Zehntel.
Die Preisuntergrenze sagt nur, wo es nie funktioniert. Welcher Stundensatz nach oben nötig ist, damit dir am Ende genug bleibt, rechnet dieser Artikel rückwärts vor:
Stundensatz berechnen: rückwärts von dem, was dir bleiben sollDB 1, DB 2: was hinter den Stufen steckt
In Lehrbüchern taucht die Deckungsbeitragsrechnung oft mehrstufig auf. Deckungsbeitrag 1 ist das, was du hier gerechnet hast: Preis minus variable Kosten. Deckungsbeitrag 2 zieht zusätzlich die Fixkosten ab, die sich einem Bereich direkt zuordnen lassen, etwa die Studiomiete nur für die Shootings, nicht für die Bildbearbeitung. So sieht ein Betrieb mit mehreren Standbeinen, welches davon sich selbst trägt. Für die meisten Solo-Selbstständigen reicht eine Stufe. Sobald du aber zwei sehr verschiedene Angebote fährst, lohnt sich der getrennte Blick.
Vom Auftrag zum Monat
Der Deckungsbeitrag prüft einen einzelnen Auftrag. Dein Konto lebt aber vom Monat: Aufträge schwanken, Fixkosten kommen pünktlich, und Finanzamt und Krankenkasse buchen zu ihren eigenen Terminen ab. Ein Auftrag kann sich rechnen, während der Monat trotzdem knapp wird, weil zu wenige davon zusammenkommen.
Annahmen
Preis mal Menge, Monat für Monat: Genau so planst du Einnahmen im Plan, und mit einer Annahme für das nächste Jahr wird aus der Auftrags-Frage ein Blick aufs Jahr.
Deckungsbeitrag heißt: Preis minus variable Kosten, netto gerechnet. Mal Menge wird daraus der Monats-Deckungsbeitrag, der zuerst deine Fixkosten deckt. Erst dann beginnt das Betriebsergebnis, und darin stecken dein eigener Lohn und die Steuern noch nicht. Ein Preis unter den variablen Kosten lohnt sich nie, egal bei welcher Menge.
Wichtig: finkraft ersetzt keine Steuerberatung. Du bekommst eine ehrliche Planungsrechnung für deine Entscheidungen. Verbindliche Auskünfte und deine Steuererklärung gehören weiter in die Hände deiner Steuerkanzlei.
Häufige Fragen
Deckungsbeitrag je Auftrag oder Stück gleich Verkaufspreis minus variable Kosten, beides netto. Variable Kosten sind die, die nur anfallen, wenn der Auftrag stattfindet, etwa Material, Versand, Verkaufsgebühren oder Anfahrt. Multipliziert mit der Menge ergibt sich der gesamte Deckungsbeitrag eines Monats. Geteilt durch den Preis ergibt sich die Deckungsbeitragsquote in Prozent, mit der sich Produkte und Aufträge vergleichen lassen.
Eine Universalzahl gibt es nicht, weil die Quote stark vom Geschäftsmodell abhängt: Dienstleistungen ohne Material liegen oft über 80 Prozent, Handel mit Wareneinsatz deutlich darunter. Entscheidend ist nicht die Prozentzahl allein, sondern ob die Summe aller Deckungsbeiträge im Monat die Fixkosten deckt und darüber hinaus genug für den eigenen Lebensunterhalt, Steuern und Krankenversicherung erwirtschaftet. Die Quote taugt vor allem zum Vergleich der eigenen Angebote untereinander.
Deckungsbeitrag 1 ist der Verkaufspreis minus die variablen Kosten eines Produkts oder Auftrags. Deckungsbeitrag 2 zieht zusätzlich die Fixkosten ab, die sich diesem Bereich direkt zuordnen lassen, zum Beispiel die Miete eines Studios, das nur für eine Produktlinie genutzt wird. Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnungen zeigen Betrieben mit mehreren Geschäftsbereichen, welcher Bereich sich selbst trägt. Solo-Selbstständige kommen meist mit einer Stufe aus.
Nein. Der Deckungsbeitrag ist die Stufe vor dem Gewinn: Er deckt zuerst die Fixkosten, erst der Rest ist Betriebsergebnis. Bei Selbstständigen fehlen auch dann noch die Einkommensteuer, die Kranken- und Pflegeversicherung und der eigene Lebensunterhalt, denn die eigene Arbeitszeit steht weder in den variablen noch in den fixen Kosten. Ein hoher Deckungsbeitrag ist deshalb notwendig für ein tragfähiges Business, aber noch kein Beweis dafür.
Weil sich Fixkosten einem einzelnen Auftrag nicht ehrlich zuordnen lassen. Eine Umlage hängt immer an einer Auslastungs-Annahme: 500 Euro Fixkosten wirken bei 8 Aufträgen wie 62,50 Euro pro Auftrag, bei 4 Aufträgen wie 125 Euro, obwohl sich am Auftrag selbst nichts geändert hat. Deshalb rechnet der Deckungsbeitrag in zwei Stufen: Je Auftrag zählen nur die variablen Kosten, und erst die Summe aller Deckungsbeiträge eines Monats muss die Fixkosten decken. So sieht man beides sauber getrennt, ob ein Auftrag sich trägt und ob der Monat es tut.
Alles, was nur anfällt, wenn der Auftrag oder Verkauf stattfindet: Material und Wareneinsatz, Verpackung und Versand, Transaktions- und Plattformgebühren, auftragsbezogene Fahrten oder zugekaufte Leistungen je Auftrag. Auch nutzungsabhängiger Verschleiß, etwa an der Kamera je Shooting, lässt sich kalkulatorisch je Auftrag ansetzen. Nicht dazu zählen Kosten, die unabhängig von der Auslastung weiterlaufen, wie Software-Abos, Versicherungen, Miete oder Werbung. Die eigene Arbeitszeit gehört in keine der beiden Kategorien, sie wird als kalkulatorischer Unternehmerlohn separat angesetzt.
Du teilst den Deckungsbeitrag durch den Preis und nimmst das Ergebnis mal 100. Das Ergebnis heißt Deckungsbeitragsquote. Ein Beispiel: Ein Shooting kostet 350 Euro, die variablen Kosten liegen bei 80 Euro. Der Deckungsbeitrag beträgt 270 Euro, die Quote 77 Prozent. Von 1.000 Euro Umsatz bleiben dann 770 Euro für Fixkosten und Gewinn. Die Quote eignet sich, um Aufträge, Produkte oder Kunden mit unterschiedlichen Preisen zu vergleichen.




