Rentabilitätsvorschau erstellen: drei Jahre auf einem Blatt
Sebastiaan WolzakGründer von finkraftStand: 3. September 2026
Ob Bankgespräch, KfW-Kredit oder Gründungszuschuss: Irgendwann will jemand deine Rentabilitätsvorschau sehen. Gemeint ist immer dieselbe Tabelle. Oben stehen die geplanten Umsätze, darunter die Kosten, unten das Ergebnis, und das für drei Jahre nebeneinander. Sie soll zeigen, ob sich dein Vorhaben trägt. Vorlagen dafür gibt es kostenlos bei IHK, KfW und Wirtschaftsministerium, und sie sehen fast gleich aus. Der wichtigste Unterschied fällt kaum auf: Jede Vorlage hört an einer anderen Zeile auf. Davon hängt ab, ob die Tabelle am Ende zeigt, wovon du leben kannst.
Wer aus dem Bürgergeld gründet, zeigt dieselbe Rechnung dem Jobcenter. Was das Einstiegsgeld ist und wie der Gewinn angerechnet wird:
Einstiegsgeld vom Jobcenter: gründen aus der GrundsicherungWas eine Rentabilitätsvorschau ist und wer sie sehen will
In der Rentabilitätsvorschau stellst du deine erwarteten Umsätze den erwarteten Kosten gegenüber. So siehst du, ob am Ende eines Jahres ein Gewinn übrig bleibt. Sie ist der Ertragsteil deines Businessplans. Das Existenzgründungsportal des Wirtschaftsministeriums nennt sie Rentabilitätsvorschau, die IHK meist Ertragsvorschau, die KfW Rentabilitätsplan. Gemeint ist immer dieselbe Tabelle.
Drei Leser interessieren sich dafür. Die Bank will wissen, ob dein Gewinn Zinsen und Tilgung trägt. Die KfW bietet für den Gründerkredit ein eigenes Formular über drei Geschäftsjahre an, freiwillig, aber hilfreich. Und beim Gründungszuschuss lässt sich die Arbeitsagentur die Tragfähigkeit deiner Gründung von einer fachkundigen Stelle bestätigen (§ 93 Abs. 2 SGB III), zum Beispiel von der IHK, der Handwerkskammer oder einer Bank. In deren Vordruck steht die „Umsatz- und Rentabilitätsvorschau" als Unterlage, dazu zwei Fragen: Ist das Betriebsergebnis vor Steuern realistisch? Und reicht das Einkommen zum Leben?
Der Aufbau: die Zeilen von oben nach unten
Der Aufbau ist bei allen Vorlagen gleich. Alle Beträge stehen ohne Umsatzsteuer drin, weil die nur durchläuft. Ganz oben steht der Umsatz. Davon geht der Wareneinsatz ab, bei Dienstleistern fällt diese Zeile weg. Übrig bleibt der Rohgewinn. Dann kommen die Kosten: Personal, Miete, Versicherungen, Marketing, Fahrzeug, Buchführung und Beratung, Leasing, Telefon und Software. Darunter stehen die Abschreibungen und die Zinsen. Was am Ende übrig bleibt, heißt in der einen Vorlage Betriebsergebnis und in der anderen Gewinn vor Steuern. Meistens hat die Tabelle drei Jahresspalten, so empfehlen es Ministerium, KfW und IHK. Die Arbeitsagentur gibt keinen Zeitraum vor.
- Anschaffungen stehen nicht mit dem Kaufpreis drin, sondern nur als Abschreibung über die Nutzungsdauer. Der Kaufpreis gehört in den Kapitalbedarfsplan.
- Die Tilgung eines Kredits ist keine Zeile, weil sie den Gewinn nicht mindert. Die Zinsen dagegen schon. Die Tilgung gehört in die Liquiditätsplanung.
- Umsatzsteuer kommt nirgends vor, alle Beträge sind netto.
- Dein eigener Lohn ist bei Einzelunternehmen und GbR keine Kostenzeile. Vom Ergebnis musst du leben, es ist also der Maßstab und kein Posten. Nur bei GmbH und UG zählt das Geschäftsführergehalt zu den Personalkosten.
- Deine eigene Krankenversicherung steht auch nicht drin. Die IHK schreibt das ausdrücklich: Privatausgaben, auch die Sozialversicherung für dich selbst, gehören nicht in die Ertragsvorschau.
Wenn du mit einer Tabelle anfangen willst: unsere kostenlose Excel-Vorlage für zwölf Monate.
Zur Excel-Vorlage →Tragfähig heißt: nach Steuern und Lebenshaltung bleibt etwas
An dieser Stelle gehen die Vorlagen auseinander. Die Checkliste des Ministeriums endet beim Betriebsergebnis, die IHK beim Gewinn vor Steuern. Beide sagen nur, dass das Ergebnis deinen Unternehmerlohn decken sollte. Das KfW-Formular rechnet als einziges weiter. Es zieht Einkommensteuer, Tilgung und private Versicherungen ab, und unten steht das verfügbare Einkommen. Das ist die Zahl, auf die es ankommt. Ein Betriebsergebnis von 48.000 € sieht auf dem Blatt nach einem guten Jahr aus. Wie viel davon übrig bleibt, zeigt das Beispiel.
Die Vorschau endet bei 48.000 € Betriebsergebnis. Nach Steuer, Krankenkasse und Lebenshaltung bleiben 7.329 € übrig, die Gründung trägt sich also. Mit 1.000 € weniger Lebenshaltung im Monat wären es 19.329 €. Mit 500 € mehr wäre der Puffer fast weg.
Warum fast alle Vorlagen vor der Steuer aufhören, und was das für deinen Businessplan bedeutet:
Der Zahlenteil deines BusinessplansRentabilität ist nicht Liquidität
Die Rentabilitätsvorschau sagt dir, ob dein Geschäft übers Jahr Gewinn macht. Sie sagt dir nicht, ob im März Geld auf dem Konto ist. Dafür gibt es die Liquiditätsplanung, bei der KfW ist das ein eigenes Formular. Der Unterschied liegt in vier Posten. Eine Anschaffung kostet sofort den vollen Preis, den Gewinn mindert sie nur über die Abschreibung. Die Tilgung geht jeden Monat vom Konto ab, in der Vorschau kommt sie nicht vor. Die Umsatzsteuer läuft über dein Konto, in der Vorschau steht sie nirgends. Und Umsatz entsteht, wenn du die Rechnung schreibst, das Geld kommt aber erst, wenn der Kunde zahlt. Wenn die Vorschau gut aussieht und das Konto trotzdem leer ist, liegt es fast immer an einem dieser vier Posten.
Wie du vom Gewinn zur Kontobewegung rechnest, mit Beispiel:
Cashflow berechnen: warum dein Konto leer ist trotz GewinnWoher die Zahlen kommen
Im Vordruck der Arbeitsagentur steht die Frage, ob das Betriebsergebnis realistisch ist. Diese Frage stellt sich jeder, der die Tabelle liest, und Wunschzahlen erkennt man daran, dass niemand erklären kann, wo sie herkommen. Rechne den Umsatz aus Preis mal Menge: Wie viele Aufträge, Stunden oder Verkäufe im Monat, zu welchem Preis, und ab wann? Das erste Jahr läuft selten ab Januar auf voller Höhe, also plane den Anlauf ein. Die Kosten nimmst du aus Angeboten und Verträgen, nicht aus dem Bauch. Für das zweite und dritte Jahr brauchst du Annahmen, die du benennen kannst: mehr Kunden, ein höherer Preis, ein neues Angebot. Wenn jede Zahl eine Herkunft hat, kannst du im Bankgespräch auch jede Nachfrage beantworten.
Annahmen
Deine Anlaufphase ist eine Annahme, keine Tabelle: Aus ihr entstehen Liquiditätsplan und Gewinn je Jahr automatisch, und der Bank-Report gibt beides aus.
Die Rentabilitätsvorschau ist eine Tabelle über drei Jahre: Umsatz minus Wareneinsatz, minus Kosten, minus Abschreibungen und Zinsen ergibt das Betriebsergebnis. Anschaffungen, Tilgung, Umsatzsteuer und deine eigene Krankenversicherung stehen nicht drin. Tragfähig ist deine Gründung erst, wenn nach Einkommensteuer, Krankenkasse und Lebenshaltung noch etwas übrig bleibt. Nur das KfW-Formular rechnet bis dahin, bei allen anderen Vorlagen musst du selbst weiterrechnen. Ob im März Geld auf dem Konto ist, zeigt dir die Liquiditätsplanung.
Wichtig: finkraft ersetzt keine Steuerberatung. Du bekommst eine ehrliche Planungsrechnung für deine Entscheidungen. Verbindliche Auskünfte und deine Steuererklärung gehören weiter in die Hände deiner Steuerkanzlei.
Häufige Fragen
Eine Rentabilitätsvorschau stellt die geplanten Umsätze eines Unternehmens den geplanten Kosten gegenüber und zeigt, ob am Jahresende ein Gewinn bleibt. Sie ist der Ertragsteil des Businessplans, rechnet ohne Umsatzsteuer und wird üblicherweise für drei Geschäftsjahre nebeneinander aufgestellt. IHK, KfW und Arbeitsagentur nennen sie auch Ertragsvorschau, Rentabilitätsplan oder Umsatz- und Rentabilitätsvorschau; gemeint ist dieselbe Tabelle.
Üblich sind drei Geschäftsjahre. So empfehlen es die Checkliste des Existenzgründungsportals, das KfW-Formular und die IHK. Die Arbeitsagentur schreibt in ihrem Vordruck zur Tragfähigkeit keinen Zeitraum vor, sie verlangt nur eine Umsatz- und Rentabilitätsvorschau. Eine monatliche Gliederung gehört nicht zur Rentabilitätsvorschau, sondern zur Liquiditätsplanung.
Die KfW bietet für den ERP-Gründerkredit StartGeld ein freiwilliges Formular an, das sie auf der Produktseite Rentabilitätsplan nennt. Es umfasst drei Geschäftsjahre in Tausend Euro ohne Mehrwertsteuer und rechnet weiter als andere Vorlagen: Nach dem Ergebnis gehen Zinsen, Einkommen- und Gewerbesteuer, Tilgung und private Versicherungen ab, unten steht das verfügbare Einkommen. Eine Abschreibungszeile hat es dagegen nicht. Die Unterlagen sind laut KfW keine Voraussetzung für den Antrag.
Ja. Für den Gründungszuschuss musst du der Arbeitsagentur die Tragfähigkeit deiner Gründung nachweisen, und zwar durch die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle wie IHK, Handwerkskammer, berufsständische Kammer, Fachverband oder Bank (§ 93 Abs. 2 SGB III). Deren Vordruck listet als Unterlagen unter anderem den Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplan und die Umsatz- und Rentabilitätsvorschau und fragt, ob das Betriebsergebnis realistisch ist und das Einkommen als Lebensgrundlage reicht.
Rentabilität sagt, ob dein Geschäft im Jahr Gewinn macht: Umsatz minus Kosten, Anschaffungen nur als Abschreibung, ohne Umsatzsteuer und ohne Tilgung. Liquidität sagt, ob in jedem Monat Geld auf dem Konto ist: mit dem vollen Kaufpreis einer Anschaffung, mit Tilgung, mit der durchlaufenden Umsatzsteuer und mit dem Zeitpunkt, an dem Kunden tatsächlich zahlen. Beides kann auseinanderlaufen. Ein rentables Geschäft kann im März trotzdem knapp bei Kasse sein.
In den meisten Vorlagen nicht. Die Checkliste des Existenzgründungsportals endet beim Betriebsergebnis, die IHK beim Gewinn vor Steuern, und die private Krankenversicherung gehört ausdrücklich nicht hinein. Nur das KfW-Formular zieht Einkommensteuer, Tilgung und private Versicherungen ab. Für die Tragfähigkeit musst du selbst weiterrechnen: Vom Betriebsergebnis gehen Einkommensteuer und Krankenkasse ab, danach deine Lebenshaltung. Was dann bleibt, ist dein Puffer.
Ja, kostenlos: die Checkliste Rentabilitätsvorschau des Existenzgründungsportals des Bundeswirtschaftsministeriums, das Formular der KfW zum Gründerkredit und die Vorlagen der IHK. Alle drei folgen demselben Aufbau mit drei Jahresspalten. Wichtiger als die Vorlage sind die Zahlen darin: der Umsatz aus Preis mal Menge mit Anlaufphase, die Kosten aus Angeboten, und die Rechnung nach Steuern und Lebenshaltung, die in den meisten Vorlagen fehlt.



